Wombat index     software     unterhaltung     gästebuch     e-mail   

Wombat's Wonderful World
Sokrates - Leben und Wirken
zurück

 
Sokrates
Referat von Christian Kohlschütter


A. Lebenslauf

Sokrates wurde um 470 v. Chr. in Athen als Sohn des Steinmetzen Sophroniskos und der Hebamme Phainarete geboren. Er lernte die bildhauerischen Fähigkeiten seines Vaters. Später wandte er sich der Philosophie zu.

Inzwischen war er mit Xanthippe verheiratet, die seine unerschütterliche Gelassenheit, für die er berühmt ist, auf die Probe stellte: Alkibiades hatte Sokrates einen Kuchen mitgebracht. Xanthippe schlug ihm den Kuchen aus der Hand. Er fiel zu Boden und wurde ungenießbar. Sokrates sagte seiner Frau hierauf lediglich: "Du wirst ihn nun nicht mehr essen können."

Sokrates


Er engagierte sich im politischen Leben Athens. So versuchte er in der Ratsversammlung zu verhindern, daß die Feldherren, die in der Seeschlacht bei den Arginusen gesiegt hatten, zum Tode verurteilt werden. Sie hatten es unterlassen, die gefallenen Athener zu bergen. Sokrates weigerte sich, an der Verhaftung des Leon von Salamis teilzunehmen.

399 v. Chr. wurde er zum Tod durch Vergiften verurteilt. Die Ankläger Anytos, Meletos und Lykon hatten ihn der Gottlosigkeit (Asebie) beschuldigt. Außerdem bringe er die Jugend vom rechten Weg ab.

B. Wirken

In Wahrheit bestand sein Auftreten in der Öffentlichkeit hauptsächlich darin, auf der Agora herumzuschlendern und sich mit jedermann zu unterhalten, egal welcher Standeszugehörigkeit. Zu Beginn jeden Gesprächs erkundigte er sich über die Berufstätigkeit der Ansprechpartner. Sodann fragte er immer geschickter und spezieller, so daß er das Gespräch auf ein Thema lenken konnte, über das sich beide Gesprächsteilnehmer auskannten. Jedoch stellte er sich weiter unwissend und fragte immer weiter. Schließlich fand sich sein Gegenüber in einem Wust voller Kontroversen wider. Sokrates machte ihm klar, daß die Aussagen des Gesprächspartners bloße doxa seien, dieser also eine platte Meinung habe und daß dieser in Wahrheit nichts wisse.

Eben dies ist Sokrates' Weisheit. Zwar hatte ihm das Delphische Orakel als den Weisesten bezeichnet. Sokrates bestätigt dies ironisch und sagt: ich weiß (wenigstens), daß ich nichts weiß. Im Gegensatz zu den ihm verhaßten Sophisten, die als Rhetoren nicht mit begründetem Wissen zu überzeugen vermochten, sondern mit raffinierten Argumentationsfiguren die Zuhörer zu überreden, ja zu übertölpen versuchten (Eristik), machte sich Sokrates das vernünftige moralische und politische Begreifen des menschlichen Lebens zum Ziel.

Sokrates war davon überzeugt, daß der Mensch einsehen müsse, daß er sich selbst nicht kennt, und daß er nur durch vernünftiges Denken zur Selbsterkenntnis gelangen könne. Um Selbsttäuschungen zu entgehen, muß dies durch ein gemeinsames, philosophisches Gespräch gefördert werden. Sokrates bezeichnet diese Methode als Mäeutik ("Geburtshilfe"). Durch ständiges Nachfragen gelangen die Erkenntnisse ans Licht. Sie sind im Dunkeln verborgen und werden durch die Gewinnung von Wissen nicht geschaffen, sondern nur entdeckt. Mit dieser Methode werden nicht nur Widersprüche im Denken nachgewiesen (Elenktik), sondern es wird sich derjenige, der diese Methode anwendet, seiner eigenen Unzulänglichkeit bewußt. Der Mensch wird damit zur Bescheidenheit erzogen.

Sokrates praktizierte seine Lehre über die postulierte Übereinstimmung von Denken, Reden und Handeln gerade in seinem Leben. War er einmal vor eine Entscheidung gestellt, die nicht sofort aufgrund von vernünftigen Überlegungen getroffen werden konnte, verließ er sich auf sein daimonion, eine Macht, die fälschlicherweise von seinen Zeitgenossen als Ersatz für die bestehende Götterwelt interpretiert wurde.

Vielmehr steht daimonion für den "moralischen Instinkt", der ihn davor bewahrt, etwas zu tun, was nicht seiner Intention entspricht, so etwas wie eine innere Stimme.

C. Schlußbemerkung

Sokrates verfaßte keine philosophischen Schriften. Vermutlich unterließ er dies wegen seiner Überzeugung, daß Erkenntnis nur im Dialog entstehen kann. So sind insbesondere die Schriften seiner Schüler (z.B. Xenophon, Platon) die Quelle unseres Wissens über Sokrates. Xenophon schildert die Person Sokrates, wohingegen Platon vorrangig sein Denken in den Vordergrund stellt.

Sokrates wurde oft mißverstanden, uns wird dies bei der Komödie "Die Wolken" von Aristophanes deutlich, in der Sokrates als Sophist dargestellt wird, obwohl er gerade deren philosophischer Gegner war.

Tatsächlich jedoch hatte Sokrates seine Überzeugung und seinen starken Willen bis zu seinem Tode zum Ausdruck gebracht: Er verspottete die Richter, die ihn den Prozeß machten, indem er verlangte, im Prytaneion auf Staatskosten verköstigt zu werden. Und als er nach der Verurteilung im Gefängnis auf die Vollstreckung des Todesurteils wartete, sagte er zu seinen Schülern: "Kümmert euch weniger um Sokrates, kümmert euch mehr um die Wahrheit". Hier beweist er erneut Gelassenheit und Weisheit. Er trank freiwillig den Schierlingsbecher.



Literatur

Mittelstraß, Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Stuttgart 1995
Bloch, Antike Philosophie, Frankfurt/Main 1985, 1. Aufl.
Kirchner, Geschichte der Philosophie, Leipzig 1896, 3. Aufl.